Stephan Bauer traf den Nerv seiner Fans mit seinem Programm über die Herausforderungen der Ehe

Stephan Bauer traf den Nerv seiner Fans mit  seinem Programm über die Herausforderungen der Ehe„Wie oft darf ich in Notwehr nachladen?“

Bad Orb. Der Bühnenaufbau für Stephan Bauer ist schnell gemacht: Einen Stuhl braucht er, das Mikrofon nimmt er in die Hand. Dass im Hintergrund blaue und rote Lichter den Bühnenhimmel des Musikpavillons im Kurpark beleuchten, von Techniker Markus Leis sorgfältig ausgerichtet: Schön anzuschauen, wenn auch nicht zwingend erforderlich. Erforderlich ist bei dem Comedian nur eins: Seine Stimme, vielen bekannt aus dem HR1-Podcast „Bauer versteht Frau“. Dort heißt es über ihn: „Stephan Bauer ist Fachmann und Fachfrau in einer Person.“ Dass da etwas dran ist, können die Gäste der Abendveranstaltung am zurückliegenden Freitag, zu der die Bad Orb Kur GmbH eingeladen hat, bestätigen: Fast zweieinhalb Stunden erfahren sie im Open-Air-Programm „Am Ende der Nerven... und noch so viel Ehe übrig“, das mit dem Konzept „Lachen statt Trennung“ wirbt, allerlei Wissenswertes über die Herausforderungen der Ehe – und einige Dinge, die sie nie wissen wollten.

„Wer ist verheiratet?“ „Wer ist glücklich verheiratet?“ „Wer meldet sich nur, weil der Partner daneben sitzt?“ Stephan Bauer braucht nicht lange, um die ersten Lacher zu kassieren. In Ripped Jeans, weißem Hemd und ebensolchen Sneakers schlendert er über die Bühne, sucht den Blick- und später auch den Gesprächskontakt mit dem Publikum. Schlag auf Schlag geht es voran mit den Späßen, fast zweieinhalb Stunden wird ein Feuerwerk abgeschossen aus Pointen, die den Ehe-Alltag im Allgemeinen und die Zweisamkeit im Besonderen auf die Schippe nehmen. Das erklärte Ziel: Im Rahmen des abendlichen Experiments herauszufinden, „wie eine Ehe langfristig funktionieren“ könnte. Denn auch eine Trennung biete Tücken: „Man nimmt sich selbst ja immer mit.“

Und hat dann im Fall von Bauer einen Hypochonder bei sich, der sich die Diagnose „Chronische Streptokokken-Entzündung beidseitig“ aus der Apotheken-Umschau holt, vergangene Woche Ebola hatte und sich wundert: „Letzten Sommer habe ich drei Reise-Tabletten genommen. Danach war ich immer noch zu Hause.“ Gleichwohl sagt er: „Ich finde mich ganz okay.“ Der in Stade geborene 57jährige strahlt ins Publikum. Ja, sicher sei „das Zusammenleben mit mir im Alltag bisweilen eine Herausforderung“. Etwa, wenn er den leeren Joghurtbecher im Kühlschrank deponiere. „Aber bewusst, weil der Gelbe Sack voll war.“ Im Gegensatz zu anderen Männern stehe er jedoch zu seinem Unvermögen, das sich in vielfältiger Weise manifestiert: Roher Schinken auf dem Cerankochfeld wird natürlich zu Serrano-Schinken. Seine Frau braucht Entlastung? „Okay, dann wasche ich meine Wäsche ab heute selbst.“ Zusammengefasst: „Ich kann schon nachvollziehen, dass meine Frau mit mir ins Strudeln kommt.“ Er hoffe inständig, dass sie bei ihm bleibe. Trotz aller Unterschiedlichkeit, denn „meine Frau hat einen Schrittzähler. Ich habe einen Bewegungsmelder“. Klar sei: „Ich lerne doch niemanden mehr kennen“, und für diejenigen, die sich per Social Media an ihn gewandt hätten, hätte er einen guten Tipp: „Ich fände es unheimlich erregend, wenn Du einfach nur in der Ecke sitzt und im Duden blätterst.“

Dass die Wirtschaft nicht mehr laufe, die Infrastruktur marode sei – kurz: Deutschland als Land nicht mehr so attraktiv sei, könne schon an Kleinigkeiten deutlich gemacht werden: „In Deutschland gibt es Buchstabensuppe. Österreich hat den Wörtersee.“ Und hinsichtlich der Bildung im Lande könne seine Frau, von der er auf der Bühne sagt, sie sei Grundschullehrerin, einiges an Anekdoten beitragen. Etwa den Dialog in der Schule, in dem sie einer Mutter mitteilte, ihre Tochter könne weder addieren noch subtrahieren. 

Die Antwort: „Latein ist doch egal, Hauptsache das Kind kann rechnen...“ Dass die leidige Bürokratie in dem Programm nicht fehlen darf: Keine Überraschung. Da fragt sich der Kabarettist, der durch Auftritte etwa bei Ottis Schlachthof, in den Mitternachtsspitzen und in 7 Tage – 7 Köpfe bekannt wurde, „welche Drogen der Ingenieur wohl genommen hat“, der sich das Wort „Pfandwarenrückgabesystem“ ausgedacht hat. Zugleich muss er einräumen, ewig nicht gewusst zu haben, dass „Hanuta“ die Abkürzung für „Haselnusstafel“ ist. Was ihn wiederum auf den Gedanken bringt, dass es auf den „Kanaren keine Kanarienvögel gibt. Das ist wie mit den Jungferninseln“.

Nicht erst damit ist das weite Feld der Scherze eröffnet, die sich um das Thema Sexualleben drehen: Da geht es um die „Wolfsstellung: Hinsetzen und Heulen“. Um „so animalische Sachen wie sich reibende Wildsau an deutscher Eiche“. Die Penislänge muss für Scherze herhalten, auf die bezogen laut Bauer 16 Prozent der Männer glauben, „mit dem Lineal stimmt was nicht“. Er selbst findet Viagra eine tolle Sache – nur hilft das „bei einer experimentierfreudigen Frau wie meiner nicht weiter“: Wenn Spiegel und Filmkamera zum Einsatz kommen, ist das Ergebnis nicht zwingend erotisch: „Haben Sie sich schon mal dabei zugesehen? Da schämen Sie sich zu Tode!“ Zugleich taucht die Frage auf, ob beim Vibratorentest „befriedigend besser ist als gut“. Und um nicht nur von sich selbst zu sprechen, wird auch das männliche Publikum nach Persönlichem gefragt: „Es gibt die Ebene des nicht-mehr-Wollens. Es gibt aber auch noch die Ebene des nicht-mehr-Könnens. Darf ich mal fragen....“ Antworten sind hier Fehlanzeige, aber an anderer Stelle ist das gesamte Publikum sofort dabei: Als Bauer von seinen Großeltern spricht, die „vor fünfzig Jahren zusammen im Wohnzimmer saßen“, und zwar nur mit einem Fernsehgerät. „Kein Handy, kein I-Pad.“ Aber dafür Werbung, die nahezu alle Gäste des Abends im Chor bis heute ergänzen können: Das „famose Zartgemüse aus der Dose“ wird da in Erinnerung gerufen, und der Grund, warum „Waschmaschinen länger leben“.

Wenn auch die Frage offen bleibt, „wie oft darf ich in Notwehr nachladen?“ - für den Heimweg gibt es versöhnliche Worte des Kabarettisten: „Gehen Sie nach Hause, bringen Sie Ihre Ehe wieder in Ordnung“, wie er rät. Die gelöste Stimmung, zu der er unter viel Beifall und Gelächter ein gerüttelt Maß beigetragen hat, mag dazu ihr Scherflein beitragen.

Und wer nicht genug von den Späßen bekommen kann, hat bald schon wieder Gelegenheit in Bad Orb: Bauer kommt am Freitag, 18. Dezember 2026, um 20 Uhr erneut in die Kurstadt mit seinem Programm: »Weihnachten fällt aus! Josef gesteht alles!«