Trotz schlechtem Wetter ließen sich über 100 Frauen nicht aufhalten und stürmten mutig die Wächtersbacher Magistratssitzung. Wind und Regen konnten sie ebenso wenig bremsen wie politische Widerstände!
Nach dem feierlichen Verlesen ihrer Forderungen ging es direkt weiter zum närrischen Stadtrundgang. Unterwegs wurden alle Weiber selbstverständlich bestens mit Speis und Trank versorgt – schließlich braucht Revolution eine solide Grundlage!
Den krönenden Abschluss fand der Tag im Vereinsheim des WCV. Dort wurde bei bester Stimmung, guter Musik und jeder Menge Männerballett-Tanz ausgelassen weitergefeiert.
Lieber Bürgermeister, liebe Stadträtinnen und Stadträte,
die Lage ist ernst.
Bierernst, um genau zu sein.
Die städtischen Finanzen weisen ein Finanzierungsloch von mehreren Millionen Euro aus. So kann es einfach nicht weitergehen. Deshalb sind die Närrinnen und Narren bereits im Vorfeld losgezogen, um für die Stadt noch etwas Schotter aufzutreiben.
Und haltet euch fest:
Wir haben auch welchen gefunden!
Und zwar im gesamten Stadtgebiet – in den offenen Glasfaser-Trassen von Vodafone und in sämtlichen Schlaglöchern von Wächtersbach. Diesen Schotter haben wir euch heute mitgebracht, um kurzfristig das Haushaltsloch zu stopfen.
Dass es so jedoch nicht weitergehen kann, scheint allen klar zu sein. Deshalb entmachten wir die Rathausführung mit sofortiger Wirkung – zumindest bis Aschermittwoch – und präsentieren unser närrisches Haushaltsentwicklungskonzept:
Närrisches Haushaltssicherungskonzept
Wir sparen mit Spaß!
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Maßnahmen-Paket 1 – Mit gutem Beispiel voran
- Änderung der Hauptsatzung mit Reduzierung des Stadtparlaments auf 11 Mitglieder, die gerne aus unserem Elferrat rekrutiert werden können.
- Begrenzung der Sitzungstermine auf maximal 11 Sitzungen pro Jahr.
- Für jede weitere Sitzung wird eine Mandatsträgerabgabe in Höhe von 11,11 Euro pro Mandatsträger fällig.
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Maßnahmen-Paket 2 – Mit Tatkraft in goldene Zeiten
Unser WCV-Ehrensenator und Goldgräber am Yukon hat bei einem Spaziergang durch den Schlosspark tatsächlich Gold in den Gewässern entdeckt.
Und weil wir uns mottomäßig im Wilden Westen befinden und der Goldpreis weiterhin goldene Zeiten verspricht, werden mit sofortiger Wirkung alle Mandatsträger verpflichtet, ihre freigewordene Zeit zu nutzen, um im Teufelsgraben und in den Schlossweihern Gold zu waschen.
Wenn schon Defizit – dann wenigstens mit Goldrand!
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Maßnahmen-Paket 3 – Sparen und schützen mit Helau
Wir beobachten seit Jahren hitzige bis kochende Debatten im Stadtparlament und in den Ausschüssen.
Nach intensiver Forschungs- und Entwicklungsarbeit konnten wir nun endlich unsere „Diskussions-Wärme-Pumpe“ zur Marktreife bringen.
Dieses Verfahren nutzt die Abwärme aus brodelnden und endlosen Diskussionen im Stadtparlament, wandelt sie in Energie um und speist sie über das Bioenergie-Holzhackschnitzelheizkraftwerk in das städtische Fernwärmenetz ein.
Die Eigenschaften „Groll“ und „Empörung“ werden damit erstmals sinnvoll genutzt und als fester Energieträger in die städtische Wärmeplanung aufgenommen.
Gleichzeitig nutzen wir den kalten Wind, der durch das Haushaltsloch fegt, um den Windkraftanlagen im Stadtgebiet zusätzlichen Anschub zu verleihen. Berechnungen haben ergeben, dass das Finanzloch derart groß und der Wind so stark und kalt ist, dass im Sommer noch ausreichend Kälte übrig bleibt, um die städtischen Liegenschaften zu klimatisieren.
Mit diesen Maßnahmen verwandeln wir unnütze Diskussionen und das Finanzdefizit in etwas Positives, sparen Energiekosten und leisten gleichzeitig einen Beitrag für Klima und Umwelt.
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Maßnahmen-Paket 4 – Friday for Fastnacht
Während sich Bundeskanzler Friedrich Merz klar gegen eine 4-Tage-Woche und Work-Life-Balance ausgesprochen hat, setzen wir bewusst auf einen „Friday for Fastnacht“, der verpflichtend für alle Unternehmen in Wächtersbach gilt.
Alle Unternehmen werden verpflichtet, bis auf Weiteres jeden Freitag 6 × 11 Minuten Fastnacht zu feiern.
Ob Faschingsumzug, Fastnachtssitzung, Kinderfasching oder Warm-up-Party – das bleibt den Unternehmen überlassen. Ein Kostümzwang ist jedoch Pflicht.
Außerdem endet jeder Friday for Fastnacht mit der Wächtersbacher Hymne:
„Es ist so schön in Wächtersbach“.
Die Teilnahme ist für Beschäftigte grundsätzlich freiwillig. Wer jedoch verhindert ist, muss eine Nicht-Schunkler-Abgabe in Höhe von 11,11 Euro je angefangene 11 Minuten leisten, die vom Arbeitgeber an die Stadt Wächtersbach übermittelt wird.
Die Fastnacht war schon immer ein verbindendes Element der Gesellschaft. Durch den Friday for Fastnacht wird die Stimmung im Land gelockert, die Motivation der Mitarbeiter verbessert und ganz nebenbei werden vielleicht sogar die Krankheitszahlen reduziert.
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In diesem Sinne:
Lasst uns das Haushaltsloch stopfen,
lasst uns gemeinsam lachen,
und lasst uns beweisen, dass man sogar ein Millionen-Defizit mit Humor, Herz und Helau bekämpfen kann!
Wächtersbach Helau!