Ein närrischer Ritt durch den Wilden Westen beim WCV-Lachsaloon

wcvlachsalon2026 01Wächtersbach. Mit einem abwechslungsreichen Programm, viel Liebe zum Detail und jeder Menge närrischer Leidenschaft entführte der WCV sein Publikum in diesem Jahr in seinen „Lachsaloon“ in den Wilden Westen. Nachdem Nicky Kailing die örtliche Politprominenz und die befreundeten Vereine begrüßt hatte, war der formelle Teil erledigt – und der Spaß konnte beginnen.

Wenn die „Lollipops“, die Jüngsten des WCV, die Bühne stürmen, ist gute Laune garantiert. Kaum erklangen die ersten Takte, ging ein erwartungsvolles Raunen durch den Saal – und schnell war klar: Niedlich wird es auf jeden Fall, langweilig ganz sicher nicht. Mit ihrem diesjährigen Thema „Zahnputzpolizei“ nahmen sich die kleinen Wirbelwinde der Zahnge-sundheit an. Als bunte Süßigkeiten hüpften sie über die Bühne, wenig später kamen braune, löchrige Zähne hinzu, gefolgt von einer überdimensionalen Zahnbürste. Spielerisch und mit viel Witz zeigten die kleinsten Narren, dass ungepflegte Zähne nicht nur unschön aussehen, sondern auch echte Spaßbremsen sein können.

Auf die „Lollipops“ folgte die 23 Mädchen starke Minigarde, die mit ihrem neu einstudierten, thematisch passenden Gardetanz glänzte und eindrucksvoll bewies, dass auch kleine Formationen ganz groß rauskommen können.

Hochkarätig ging es mit Ines Procter weiter, die mit treffsicheren Beobachtungen und jeder Menge Tipps für Frauen ab einem gewissen Alter für beste Unterhaltung sorgte. Einen Mann kennenzulernen werde mit den Jahren zwar schwieriger, erklärte sie, doch ganz verzichten könne man nicht – schließlich brauche man ja jemanden für den Reifenwechsel. Gut überlegen sollte Frau sich allerdings, ob sie einen Mann wirklich dauerhaft, also „stationär“, aufnehme oder lieber nur „ambulant“. Ihren ganz persönlichen Western-Moment erlebe sie jeden Morgen, wenn sie versuche, ihre müden Knochen aus dem Bett zu bewegen. Innerlich laufe dabei stets „Spiel mir das Lied vom Tod“.

Aktuell und mindestens genauso unterhaltsam ging es mit den Konfetti Kids weiter. Ihr Tanz zur „Flucht aus der Handysucht“ hielt dem Publikum einen Spiegel vor, in dem sich wohl so mancher wiedererkannte. Unablässiges Tippen und Scrollen bestimmten das Geschehen auf der Bühne – so überzeugend dargestellt, dass manch einer im Saal sein eigenes Smartphone ein wenig schuldbewusst fester umklammerte. Die klare Botschaft: Wer nur noch auf den Bildschirm schaut, verpasst die schönen und wichtigen Dinge des Lebens. Dass das echte Leben bunter, fröhlicher und mit Freunden einfach lustiger ist, daran ließ dieser Tanz keinen Zweifel.

Die WCV-Juniorgarde und die Große Garde überzeugten mit perfekt einstudierten Choreografien und präzisen Schrittkombinationen und ernteten dafür langanhaltenden Applaus vom Publikum.

Dazwischen bewies Harry Borgner, der Mann der 1000 Stimmen, sein ganzes Können und schickte „Mein kleiner grüner Kaktus“ auf eine stimmliche Reise – von Reinhard Mey über Herbert Grönemeyer und Howard Carpendale bis hin zu Peter Maffay.

Edwin Noll vom befreundeten Verein Victoria Bad Orb hatte sich diesmal Unterstützung mitgebracht: seine Enkelin. Während er seinen Vortrag in Orber Platt hielt, bemühte sie sich redlich um die Übersetzung – legte dabei allerdings eine sehr freie Auslegung an den Tag. Was genau gesagt wurde, wusste am Ende wohl nur er selbst, doch das Publikum war bestens unterhalten und spendete reichlich Gelächter.

Mit nichts als bedruckten Plakaten hingegen schaffte es das Duo Sprachlos mal wieder, den gesamten Saal in gespannte Stille zu versetzen. Während ein Satz nach dem anderen umgeblättert und vom Partner pointiert vervollständigt wurde, las das Publikum gebannt mit – beste Unterhaltung ganz ohne ein gesprochenes Wort.

Während Sitzungspräsident a. D. Werner Ach einsam durch die Prärie des Wilden Westens zieht, verarbeitet er seine Fassungslosigkeit über den Zustand der Welt in ebenso knappen wie ttreffenden Pointen.

Die „Süßgespritzten“ von der WCV-Sketchgruppe pilgerten hingegen jede Woche in den Lachsaloon von „Watchmanriver“, um ihre merkwürdigen Eigenheiten zu pflegen – und auf der Bühne sah das dann aus wie eine Therapiestunde, die völlig außer Kontrolle geraten ist.

Mit ihrer Wildwest-Show brachte das WCV-Männerballett (Foto siehe Titelseite) die Halle zum Beben. Und als den Gefesselten am Marterpfahl ihr letzter Wunsch erfüllt wurde – der legendäre, aus dem „Schuh des Manitu“ bekannte „Superperforator-Tanz“ – gab es kein Halten mehr. Freude und Chaos waren gleichermaßen auf der Bühne wie im Publikum zu Hause.

Die fünfköpfige Vocal Band Alemundo aus Altenmittlau kehrte nach längerer Pause auf die WCV-Bühne zurück. Mit modernen A-cappella-Versionen bekannter Songs – und ihrem eigenen Klassiker „Thermomix“ – bewiesen sie eindrucksvoll, dass man auch ohne Instrumente für Furore sorgen kann.

Die „Mispelchen“ sind ebenfalls zurück auf der WCV-Bühne und blieben dem Motto „Wilder Westen“ treu. Die weltoffenen, süßen Maronen vom Stamme der Schoschonen versammelten sich mit ihrem Häuptling Schwarzer Adler zum „Tratsch am Lagerfeuer“. Dort berichtete jede der jungen Maronen von ihren Sorgen und Nöten mit den Errungenschaften der neuen Welt: von der digitalen Suche nach dem perfekten Partner, vom Thermomix, der sich hartnäckig weigert, Büffelgulasch zu schneiden, oder von den Herausforderungen, die ein wilder Ponyritt durch die Prärie für die Frisur einer Squaw bereithält. Kein Wunder, dass Häuptling Schwarzer Adler überglücklich war, als er die Pferdehufe seiner zurückkehrenden Krieger vernahm. Kommentiert wurde das Ganze von einem eigenwilligen Totempfahl samt Orakel, der mit seinen Einwürfen für zahlreiche Lacher im Publikum sorgte.

Bevor Martha Pfahl alias Sitzungspräsident Nicky Kailing überhaupt die Chance bekam, sein eigentliches Programm zu starten, lieferte der störrische Mikrofonständer bereits eine eigene Showeinlage. Gemeinsam mit Bühnenhelfer-Neuling Oliver Höhn wurde er in einem zähen, aber höchst unterhaltsamen Duell endlich in die richtige Position gezwungen – ein Act, der für sich genommen schon donnernden Applaus verdient hätte. Erst danach konnte Martha Pfahl zur Tat schreiten und ihre Gedanken zur örtlichen Politik kurzerhand musikalisch unters Publikum bringen.

Selbstverständlich durfte auch die WCV-Showtanzgruppe JoyMotion nicht fehlen. Mit voller Energie wirbelten sie über die Bühne und erzählten tanzend die dramatische Geschichte einer wilden Cowgirl-Gang, eines Schusses, der besser nicht gefallen wäre, und eines Feuers, das am Ende alles in Schutt und Asche legte. Emotional, kraftvoll und mit einer Choreografie, die keine Sekunde stillstand, rissen sie das Publikum restlos mit.

Nach einem grandiosen Finale mit dem neuen Song „Fassenacht, Fassenacht“ ging es dann auch nach dem 1. Lachsaloon auf der Tanzfläche mit den „Fischbörner Buben“ und an der Theke bis in die nächsten Morgenstunden weiter.

Am Ende waren sich alle einig: Dieser Abend bot beste Unterhaltung mit Herz, Humor und ganz viel Tanzfreude.